|
19.01.2011
Paus Bergbaumaschinen für Schacht Konrad - die Arbeiten schreiten voran
Schacht Konrad bei Salzgitter (Deutschland): Die Umbauarbeiten des ehemaligen Erzbergwerks zum atomaren Endlager schreiten weiter voran und sollen bis zum Jahr 2014 abgeschlossen sein. Zur Erschließung des Endlagers sind unterschiedliche Bergbaumaschinen im Einsatz. Doch der Transport der bis zu 40 Tonnen schweren Maschinen unter Tage stellt eine große Herausforderung für Mensch und Maschine dar: Der Förderschacht ist zu klein, um die Maschinen dort als Ganzes hinunterzuschaffen: Daher werden die Maschinen in Einzelteilen mit dem Förderkorb in bis zu 1.200 m Tiefe transportiert.
Bereits in den Jahren 2008/ 2009 konnte der deutsche Hersteller Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH mehrere Ausschreibungen über die Lieferung von mehr als 20 Bergbaumaschinen, insbesondere Muldenkipper, Fahrlader und Maschinen zur Streckensicherung, für den Schacht Konrad gewinnen.
Wohl auch aufgrund der langjährigen Erfahrungen im Bau von Bergbaumaschinen mit spezifischen Anforderungen sowie der hohen Flexibilität des Unternehmens hatte die Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH den Zuschlag für die europaweiten Ausschreibungen erhalten. Das Unternehmen konnte den hohen baulichen Anforderungen - eine sehr niedrige Bauweise bei gleichzeitig hohen Nutzlasten - am besten gerecht werden.
Die Maschinen wurden auf Basis vorhandener Fahrzeugtypen konstruiert und für die Einsatzbedingungen im Schacht Konrad angepasst. Die maximalen Abmessungen zur Schachtförderung betragen 3,2 m x 1 m x 1,8 m (L x B x H) während das längste von Paus gelieferte Fahrzeug eine Gesamtlänge von fast 13 m aufweist. Diese Schachttransportmaße wurden bei der Entwicklung und Montage der Maschinen berücksichtig und die Schweißnähte entsprechend vorbereitet.
Nach der Abnahme des Kunden im Werk folgten die direkte Demontage und der Transport zum Schacht Konrad, wo die Maschinenteile durch den engen Zugang in den Schacht gelassen wurden. Seit Mitte 2010 läuft die Remontage der Maschinen im Schacht Konrad.
Die Paus Muldenkipper PMKT 15.000 sind prädestiniert für einen wirtschaftlichen Einsatz unter Tage: Die Muldenkipper verfügen über ein hohes Transportvolumen von 15 m³ bei einer Nutzlast von 30 t.
Ein besonderer Vorteil liegt in der Fahrzeughöhe. Auf alten Strecken, die nicht nachgerissen werden, ist die Maschine mit einer Höhe von 2,10 m in Einsatz. Für die neueren und höheren Strecken kann die Kabine um 40 cm hoch gesetzt werden.
Bei Leerfahrten rückwärts können die Fahrer über die Mulde schauen und haben somit die vor ihnen liegende Strecke unter Tage voll im Blick. Ist die Mulde beladen, kann der Fahrer einfach und schnell den Fahrersitz zum gegenüberliegenden Fahrerstand drehen und den Tunnel im Gegenverkehr verlassen. Etwaige Wendemanöver in dem engen Bergwerk werden somit überflüssig.
Auch die Paus Fahrlader PFL 30 und 60 mit einer Nutzlast von 5,5 bzw. 15 t finden ihren Einsatz im Schacht Konrad. Die Fahrlader PFL 30 sind mit einem Wechselsystem für Schaufel und Gabelzinken ausgestattet. Die Fahrlader PFL 60 mit einer Grundhöhe von 2,10 m verfügen – wie die PMKT 15.000 - über eine höhenverstellbare Kabine.
Beide Typen werden hydrodynamisch angetrieben und sind mit wassergekühlten Motoren ausgestattet. Die hohe Qualität der Maschinen wird durch den Einsatz von Kessler-Achsen abgerundet. Durch das Versenken der Schrauben bei der Remontage wird zudem ein Abfahren der Schraubköpfe beim Einsatz im Schacht Konrad verhindert.
Weiterhin wurden zwei Geräte zur „Resthohlraumverfüllung“ geliefert, die auf der von Paus bereits vor 25 Jahren entwickelten Schubwand-Schleudertechnologie basieren. Die Fahrzeuge sind mit einer fest angebrachten Mulde sowie zwei parallelen Seitenwänden ausgestattet, die hinten und vorne durch Querrohre verstärkt sind.
Die Mulde, mit einem Volumen von ca. 12 m³ gehäuft, verfügt über eine Bodenluke mit hydraulischem Schieberaster und eine darunter liegende Berge-Versatz-Schleuder. Ein Förderband transportiert das durch die Bodenluke gelangte Versatzmaterial. Durch eine hinten am Fahrzeug angebrachte Bandschleuder wird das Schüttgut mit hoher kinetischer Energie in die Strecke geschleudert. Der Auswurfweite beträgt maximal 55 m, die Auswurfhöhe liegt bei höchstens 11 m. Auf diese Weise wird der Firstspalt bündig verschlossen und der Versatz verdichtet. Das beschriebene Verfahren macht es möglich, dass alte Wegstrecken oder Strecken mit unsicheren Firsten nicht betreten werden müssen.
Die Paus Schubwandfahrzeuge mit Schleuderversatz bedienen eine großen Arbeitsbereich, da die Versatz-Schleuder dreh- und schwenkbar ist. Die Schubwandschleuder kann direkt über einen Dieselmotor oder mit Hilfe des Powerpacks auch elektrisch betrieben werden.
Durch die Auftragsgewinnung für den Schacht Konrad stellt Paus seine Kompetenz in der Entwicklung und Herstellung komplexer Bergbaumaschinen unter Beweis und sieht sich gerüstet für weitere Projekte mit entsprechend hohen und speziellen Anforderungen.
[zurück] |